Gut betreut: Alles, was Sie über Tagespflege wissen müssen

Inhaltsübersicht

Was ist Tagespflege bzw. Nachtpflege?

Für viele Menschen stellt Tages- oder Nachtpflege eine Art Kindergarten für Senioren dar. Sie bietet Entlastung für pflegende Angehörige, die eine Pause benötigen, sei es für die Arbeit, persönliche Zeit oder die Bewältigung von Alltagsaufgaben im Haushalt und der Pflege.

In Tagespflegeeinrichtungen werden pflegebedürftige Menschen tagsüber stundenweise betreut, beaufsichtigt und auch pflegerisch versorgt.

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In Nachtpflegeeinrichtungen werden Senioren auch nachts betreut. Dies kann beinhalten, dass sie dort schlafen, besonders wenn pflegende Angehörige nachts arbeiten, oder um dem nächtlichen Bewegungsdrang nachzugeben. Insbesondere Patienten mit Demenzerkrankungen haben oft gestörte Schlaf-Wach-Rhythmen und bleiben die ganze Nacht wach. Aber auch andere Erkrankungen oder häufige Toilettengänge können zu einer nächtlichen Überforderung der pflegenden Angehörigen führen.

Die beiden teilstationären Pflegeeinrichtungen sind eine Erleichterung für sowohl pflegende Angehörige als auch betroffene Senioren, um den Pflegealltag und das Zusammenleben zu verbessern.

Sowohl in der Tages- als auch in der Nachtpflege sind sämtliche pflegerische Leistungen fest verankert, wie die Gabe von Medikamenten, Insulin (bei Diabetikern), Unterstützung bei Toilettengängen und die Bereitstellung von Essen.

Verhinderungspflege

Wer hat Anspruch auf Tagespflege?

Der Anspruch auf Tages- und Nachtpflege ist im Elften Buch des Sozialgesetzbuches (SGB XI) genau festgelegt. Jeder mit einem Pflegegrad von mindestens Stufe 2 bis 5 hat grundsätzlich Anspruch auf einen Platz in einer entsprechenden Einrichtung, wenn die häusliche Pflege nicht ausreichend gewährleistet werden kann oder ohne diese Unterstützung die häusliche Pflege nicht mehr aufrechterhalten werden kann.

Während dieser Zeit sind nicht nur Unterkunft und Verpflegung gesichert, sondern auch der Hin- und Heimweg wird von der Einrichtung oder einem entsprechenden Dienst gewährleistet.

Was kostet eine Tages- bzw. Nachtpflege und was kommt an Kosten auf mich zu?

Ähnlich wie bei vollstationären Einrichtungen (z.B. Altenheime) entstehen auch bei teilstationären Einrichtungen Kosten, die teilweise von den Angehörigen getragen werden müssen. Pro Tag fallen etwa 50 bis 95 € für Essen, Unterbringung, Beschäftigung und pflegerische Versorgung an. Je nach Pflegegrad übernimmt die Pflegkasse einen bestimmten Anteil an diesen Kosten, während der Rest von den Angehörigen oder dem Betroffenen selbst bezahlt werden muss.

Wie erfolgt die Beantragung einer Tagespflege?

Ähnlich wie bei der Beantragung des Pflegegrades oder einer Erhöhung des Pflegegrades müssen Sie eine Kostenübernahme oder Bezuschussung bei der Pflegeversicherung beantragen. Die Pflegeversicherung wird den Sachverhalt prüfen und basierend auf bereits vorhandenen Unterlagen eine Bewilligung oder Ablehnung zusenden. Für Pflegegrade 2 bis 5 ist eine Ablehnung fast ausgeschlossen, und ein Antrag auf stundenweise Pflege und Betreuung außerhalb des eigenen Hauses wird in der Regel zügig genehmigt.

Anteil für die Angehörigen

Die Pflegekasse kommt nur für die grundlegenden Dinge auf. Je nach Pflegegrad. Dabei wird die Pflege und auch der Fahrdienst in der Regel zu einem Großteil übernommen, manchmal auch komplett.

Die Verpflegung (Essen, Trinken), Unterkunft, Betreuung und weitere Kosten muss hingegen der Betroffene bzw. dessen Angehörigen übernehmen.

Bei Pflegegrad 1 kann das Pflegegeld, dass die Angehörigen erhalten, für die Tages- und Nachtpflege verwendet werden. Ab Pflegegrad 2 wird die Versorgung direkt mit der Pflegekasse abgerechnet, da hier der Anteil je nach Grad deutlich höher sein kann.

Leistungen der Pflegekasse für eine teilstationäre Einrichtung

Je nach Pflegegrad ist dieser sehr unterschiedlich:

Pflegegrad Monatlich
1
125 Euro
2
689 Euro
3
1.298 Euro
4
1.612 Euro
5
1.995 Euro

Beispiel Kosten Tagespflege: Herr Müller benötigt eine Tagespflege von Montag bis Freitag, bei Pflegegrad 3. Die Einrichtung kostet 80 € pro Tag, was monatlich etwa 1.600 € beträgt. Hierzu zahlt die Pflegekasse einen Anteil von 1.298 €. Die restlichen 302 € muss Herr Müller bzw. dessen Angehörige selbst bezahlen.

Wie funktioniert Tagespflege?

Tagespflege wird in verschiedenen Einrichtungen angeboten, oft direkt an Alten- und Seniorenheimen, ambulanten Pflegediensten oder speziell dafür geschaffenen Räumlichkeiten. Tagesgäste können am regulären Einrichtungsleben teilnehmen, was Aktivitäten und Gruppenaktivitäten einschließt, oder es werden separate Räume und Personal für die Tagespflege bereitgestellt.

Tagespflege Zuhause: Ist das möglich?

Ambulante Pflegedienste bieten die Betreuung von Senioren zuhause an, oft verbunden mit Pflegeleistungen. Bei erheblicher Pflegebelastung kann auch eine 24-Stunden-Betreuung in Betracht gezogen werden. Tages- oder Nachtpflege ist nur stundenweise möglich, entweder in spezialisierten Einrichtungen oder zuhause.

Tagespflege: Voraussetzungen

Die Voraussetzungen können vielfältig sein. Die Belastung von Angehörigen kann im Laufe der Zeit steigen, insbesondere bei zunehmendem geistigen und körperlichen Abbau oder bei neu auftretenden Erkrankungen. Tagespflege kann in solchen Fällen eine sinnvolle Entlastung bieten.

Tagespflege und Nachtpflege können in Anspruch genommen werden, wenn:

  • der betroffene Mensch alleine lebt. Gerade wenn jemand alleine lebt, stellen sich die verschiedensten Schwierigkeiten ein, die von anderen nicht mehr kompensiert werden können. Soziale Isolation, rascherer Abbau körperlicher und geistiger Fähigkeiten sowie Verschlechterung des Allgemeinzustandes sind nur einige Faktoren, die durch eine teilstationäre Einrichtung abgefangen werden können.
  • Essen und Trinken problematisch sind. Gerade im Alter nimmt das natürliche Durstgefühl ab, Essen verliert an Wichtigkeit oder es wird auf ungesundes, industriell gefertigtes Essen zurückgegriffen. Zum einen, weil es schneller geht, zum anderen, weil viele nicht für sich alleine kochen möchten oder auch nicht dazu in der Lage sind. Durch Mangelzustände verschlechtern sich nicht nur bestehende Erkrankungen, gerade ein Flüssigkeitsmangel kann zu Verwirrung bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Daher wird auch in der Tages- und Nachtpflege besonderer Wert auf Essen und und vor allem Trinken gelegt.
  • geistige Defizite vorliegen. Bei einer bestehenden Demenzerkrankung ist es häufig auch zu gefährlich, alleine zuhause zu bleiben. Herdplatten werden nicht mehr ausgeschaltet, Geräte nicht sachgemäß gebraucht oder die Wohnung verlassen und nicht wieder gefunden. Daher tragen teilstationäre Einrichtungen auch für die Sicherheit der Betroffenen Sorge.
  • körperliche Defizite vorliegen. Diese führen in aller Regel dazu, dass sich der Betroffene nicht mehr selbstständig versorgen kann. Toilettengänge können nicht eigenständig durchgeführt werden, der gesamte Alltag wird zum Hindernis.

Häufig treten einer oder mehrere Gründe auf, die für die zeitweise Inanspruchnahme einer teilstationären Einrichtung sprechen.

Tagespflege

Was wird in der Tagespflege angeboten?

Das Angebot in einer Tagespflegeeinrichtung ist sehr vielfältig und soll eine gute, seniorengerechte Tagesstruktur ermöglichen:

  • Betreuung: Stunden- oder auch tageweise, in der Regel in Klein- bzw. Kleinstgruppen von maximal 10 Tagesgästen.
  • Essen und Trinken: Fest geplante Mahlzeiten, wie Frühstück, Mittagessen, Kaffeepause, aber auch unter Umständen Abendessen, ebenso sind Snacks für Personen, die das Essen vergessen etc. möglich. Trinken wird immer bereit gestellt, auf ausreichende Trinkpausen wird geachtet. Somit ist Essen und Trinken in ausreichendem Umfang sichergestellt.
  • Pflege: Auch die Grundpflege ist gesichert. Von der Tabletteneinnahme bis hin zum regelmäßigen Toilettengang mit entsprechender Unterstützung und gegebenenfalls Wechsel von Inkontinenzhilfsmitteln. Auch speziellere Maßnahmen, wie beispielsweise Messen von Blutzucker und Gabe von Insulin ist möglich.
  • Beschäftigung: Hierunter kann vieles Fallen, von Ausflügen, bis hin zu Seniorengymnastik über Spaziergänge, Kreuzworträtsel lösen oder basteln. Aber auch kleinere Ruhephasen werden mit eingeplant.

Wie funktioniert das mit dem Fahrdienst?

Der Hin- und Rücktransport zur Einrichtung muss im Angebot der Tagespflegeeinrichtung enthalten sein. Die Kosten werden von der Pflegekasse übernommen.

Ob nun jedoch die Einrichtung diesen Transport selbst organisiert oder ein Taxiunternehmen oder ähnliches beauftragt, ist der Institution selbst überlassen. Die Kosten hierfür übernimmt die Pflegekasse mit einer, an den Pflegegrad angebundenen Pauschale. Daher kann es unter Umständen trotzdem sein, dass es finanziell lukrativer ist, den Senior selbst zu fahren und wieder abzuholen.

Der Transport hin und zurück wird auch nicht als Einzelleistung gesehen, daher kann dieser nicht von der Krankenkasse bezahlt oder bezuschusst werden, wie dies bei vielen anderen Fahrten, z.B. zum Arzt etc. durchaus der Fall sein kann.

Wird das Pflegegeld bei Tages- / Nachtpflege gekürzt?

Nein, diese Gefahr besteht nicht. Sie können das Pflegegeld in vollem Umfang trotzdem für die Pflege des Betroffenen nutzen, da sich dieser trotz allem in weiten Teilen des Tages im häuslichen Umfeld aufhält. Die Leistungen der Tagespflege kollidieren somit nicht mit den Leistungen, die Ihnen generell ab Pflegegrad 2 mindestens zustehen. Dabei ist es unerheblich, ob und wie oft Sie eines Tagespflege oder auch Nachtpflege in Anspruch nehmen.

Vor- und Nachteile einer teilstationären Einrichtung

Eine Tages- oder Nachtpflege bietet sehr viele Vorteile, jedoch auch nicht immer ganz die Entlastung, die man sich von einer Pflegeeinrichtung verspricht.

Vorteile:

  • Eine Versorgung für einige Stunden, ob Tag oder Nacht ist gewährleistet.
  • In der Zeit zuhause können noch ambulante Pflegedienste etc. Unterstützung leisten.
  • Soziale Kontakte sind möglich, der Senior vereinsamt nicht, hat Ansprache.
  • Kognitive, psychische und physische Ressourcen werden gewahrt oder sogar verbessert.
  • Pflegende Angehörige werden entlastet und können in dieser Zeit Arbeiten, Einkaufen oder haben Zeit für sich.

Nachteile:

  • Die Versorgung findet trotz allem in einer fremden Umgebung statt, dies kann Stress auslösen.
  • Wechselnde Betreuungskräfte sorgen unter Umständen für Verwirrung und Misstrauen.
  • Der Hin- und Rücktransport durch einen Fahrdienst wird vielleicht nicht gut vom Betroffenen angenommen.

Tagespflege und Demenz

Jede Umgebungsveränderung ist eine Gefahr bei einer dementiellen Erkrankung. Daher sollten Ortswechsel generell bei Demenzerkrankten die Ausnahme sein. Leider sind jedoch gerade ältere Menschen, die nicht selten auch an Demenz erkrankt sind, aufgrund einer schlechteren häuslichen Situation häufig im Krankenhaus. Um diesen Kreislauf zwischen den Ortswechseln zu unterbinden, kann eine teilstationäre Pflegeeinrichtung wie eine Tages- oder Nachtpflege das Mittel der Wahl sein, wenn eine stationäre Unterbringung in einem Pflegeheim kein Thema ist.

Somit bestehen zwar tagsüber oder auch nachts zwei unterschiedliche Orte – die Einrichtung und das Zuhause – diese beiden Orte bleiben jedoch über einen längeren Zeitraum die selben. Somit können sich die pflegebedürftigen Personen trotzdem relativ schnell eingewöhnen und Abwehrhaltungen und Ängste verflüchtigen sich mit der Zeit, ähnlich wie bei der Eingewöhnung eines Kindes im Kindergarten.

Gerade pflegebedürftige Menschen mit Demenz benötigen eine lückenlose Aufsicht, Betreuung und Unterstützung. In erster Linie, um sich selbst vor Schaden zu bewahren, aber auch, um häusliche Unfälle oder ähnliches zu verhindern. Gerade durch eine häufig vorliegende motorische Unruhe bei gleichzeitiger körperlicher guter Gesamtkonstitution sind Demenzkranke in ihrer Pflege und Versorgung besonders anstrengend, was eine Entlastung für pflegende Angehörige unabdingbar macht.

Viele Tageseinrichtung verfügen mittlerweile über ein Angebot, dass sich speziell an demenzerkrankte Pflegebedürftige richtet oder diese im Angebot mit den anderen Tagesgästen verbindet. Teilweise kommen auch spezielle Lichtkonzepte oder Signalinstallationen zum Einsatz, um Tag- und Nacht bzw. das Auffinden bestimmter Örtlichkeiten (beispielsweise der Toiletten) zu erleichtern.

Somit können für fast alle pflegebedürftige Menschen – ob mit oder ohne Demenz – die häuslichen Situationen verbessert werden, Angehörige zielbringend entlastet werden und eine Unterbringung in einer vollstationären Einrichtung (z.B. Altenheim) wird deutlich hinausgezögert.

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Wie kann ich eine geeignete Einrichtung finden?

Einrichtungen gibt es mittlerweile viele, dennoch tut man sich nicht immer leicht mit der richtigen Wahl der Institution.

  • Erkundigen Sie sich: Sie können sich bei einem Pflegestützpunkt, einem wohnortnahen Seniorenheim, beim Hausarzt, der Kirche, im Internet oder ähnlichem nach einer geeigneten Einrichtung umsehen. Ebenso sind Erfahrungsberichte anderer hilfreich bei der Auswahl. Online werden häufig bereits die Einrichtung sowie deren Konzept, Ausstattung und Leitbild vorgestellt.
  • Vereinbaren Sie einen Ersttermin: Sehen Sie sich eine Einrichtung an, am besten ohne Ihren pflegebedürftigen Angehörigen. Machen Sie sich vor Ort ein Bild von der Ausstattung, dem Personal und der Atmosphäre. Verschaffen Sie sich einen Überblick. Ebenso können Sie sich hier beraten lassen: Was kostet die Tagespflege hier? Wird mir die Ergänzung oder Stärkung geboten, die für die nötig ist? Wie hoch wird der zu leistende Eigenanteil sein? Diese Beratung ist kostenlos und ist unabhängig von einer späteren Buchung.
  • Vereinbaren Sie einen Schnuppertag: Sie haben sich für eine Einrichtung entschieden, die Ihnen zusagt? Vereinbaren Sie einen Schnuppertag und suchen Sie die Tages- oder Nachtpflegeeinrichtung zusammen mit Ihrem Angehörigen auf. Bleiben Sie dabei, oder gehen Sie wieder nach Hause, wie es Ihnen am liebsten ist um am besten mit der Betreuung ihres Angehörigen vereinbaren lässt.

Nachtpflege - ist das wirklich nötig?

Gerade viele Angehörige scheuen sich, nachts Betreuung in Anspruch zu nehmen, weil es um die eigene Entlastung geht. Aber, nachts wird, gerade im hohen Alter und auch noch bei einer eventuell vorliegenden Demenz, nicht mehr nur geschlafen. Daher sind Senioren gerade nachts sehr aktiv und benötigen Beschäftigung, Betreuung und Pflege. Dies können Angehörige jedoch nicht stemmen, da es nicht nur um eine Phase, sondern um eine Versorgung rund um die Uhr, Monat für Monat geht und dies auf die Dauer sehr belastend ist.

Daher werden häufig nicht nur die Tage, sondern auch die Nächte zu einer Dauerbelastung für alle Seiten.

Nachtpflege eignet sich daher vorwiegend für Menschen mit Demenz, aber auch in palliativen Situationen oder bei sehr pflegeaufwendigen Menschen. Die Nachtpflege kann, ebenso wie die Tagespflege, zuhause oder auch in einer Einrichtung geleistet werden.

Tages- und Nachtpflege: egal, wie Sie sich entscheiden, Sie sollten die Wirkung einer stundenweise Versorgung Ihres Angehörigen durch geschultes Personal in einer Einrichtung oder in einer Einrichtung nicht unterschätzen. Die gesamte Situation zuhause wird enorm entlastet, alle Seiten sind entspannter, Konflikte werden schneller gelöst oder entstehen erst gar nicht. Somit kann die Versorgung in einer vollstationären Einrichtung verhindert oder hinausgezögert werden und jung und alt können von der Zeit miteinander profitieren.

Wichtig zu wissen

Die Einstufung in die Pflegegrade erfolgt durch ein Punktesystem.

Je mehr Punkte der Patient bekommt, desto höher ist der Pflegegrad und damit auch die Unterstützung durch die Pflegekasse. 

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