Pflegegrad erhöhen: Wann lohnt sich eine Höherstufung?
Viele Pflegebedürftige erhalten über Jahre denselben Pflegegrad. Dabei verändert sich der Unterstützungsbedarf häufig schleichend. Was vor einigen Jahren noch selbstständig möglich war, fällt heute möglicherweise deutlich schwerer.
In solchen Fällen kann eine Höherstufung sinnvoll sein. Ein höherer Pflegegrad kann zu zusätzlichen Leistungen der Pflegeversicherung führen und Angehörige im Pflegealltag entlasten.
In diesem Artikel erfahren Sie, wann eine Höherstufung möglich ist, wie der Antrag abläuft und welche Vorteile ein höherer Pflegegrad mit sich bringen kann.
Was bedeutet eine Höherstufung?
Bei einer Höherstufung wird geprüft, ob sich die Pflegesituation seit der letzten Begutachtung verändert hat.
Ist die Selbstständigkeit weiter eingeschränkt als bisher angenommen, kann die Pflegekasse einen höheren Pflegegrad bewilligen.
Voraussetzung ist, dass der tatsächliche Unterstützungsbedarf gestiegen ist.
Wann sollte eine Höherstufung geprüft werden?
Eine Höherstufung kann sinnvoll sein, wenn sich die gesundheitliche Situation verschlechtert hat.
Typische Anzeichen sind:
Mehr Unterstützung bei der Körperpflege
Beispielsweise:
- Hilfe beim Duschen
- Hilfe beim Ankleiden
- Unterstützung bei der Toilettennutzung
Zunehmende Mobilitätseinschränkungen
Zum Beispiel:
- Unsicherheit beim Gehen
- häufige Stürze
- Schwierigkeiten beim Treppensteigen
Mehr Unterstützung bei Krankheiten und Therapien
Etwa:
- Medikamentengabe
- Arztbesuche
- Wundversorgung
- Therapien
Zunehmende Gedächtnis- oder Orientierungsprobleme
Beispielsweise:
- Vergesslichkeit
- Verwirrtheit
- Orientierungsschwierigkeiten
Höherer Betreuungsaufwand
Wenn Angehörige deutlich mehr Zeit für Unterstützung und Betreuung aufwenden müssen als früher.
Welche Vorteile bringt ein höherer Pflegegrad?
Eine Höherstufung kann verschiedene zusätzliche Leistungen ermöglichen.
Je nach Pflegegrad können sich unter anderem erhöhen:
- Pflegegeld
- Pflegesachleistungen
- Leistungen der Verhinderungspflege
- Leistungen der Kurzzeitpflege
- weitere Unterstützungsangebote
Gerade bei einer länger zurückliegenden Begutachtung lohnt sich daher häufig eine erneute Prüfung.
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Viele Angehörige wissen nicht, dass für eine Höherstufung kein komplett neues Verfahren erforderlich ist.
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Wie läuft eine Höherstufung ab?
Schritt 1: Antrag stellen
Zunächst wird bei der Pflegekasse ein Antrag auf Höherstufung gestellt.
Schritt 2: Begutachtung
Anschließend erfolgt in der Regel eine erneute Begutachtung durch den Medizinischen Dienst beziehungsweise MEDICPROOF. Bei Höherstufungsanträgen finden die Begutachtungen auch häufig als Telefonat statt. Dabei wird geprüft, ob sich der Unterstützungsbedarf erhöht hat.
Schritt 3: Entscheidung der Pflegekasse
Auf Grundlage des Gutachtens entscheidet die Pflegekasse über den neuen Pflegegrad.
Vorbereitung auf die Begutachtung
Viele Menschen schildern ihre Einschränkungen im Alltag weniger deutlich, als sie tatsächlich sind.
Eine gute Vorbereitung kann helfen, die tatsächliche Pflegesituation realistisch darzustellen.
So bereiten Sie sich optimal auf die Pflegebegutachtung vor
Häufige Fragen zur Höherstufung
Wie oft kann eine Höherstufung beantragt werden?
Grundsätzlich immer dann, wenn sich die Pflegesituation deutlich verändert hat.
Kann ein Pflegegrad auch wieder sinken?
Im Rahmen einer erneuten Begutachtung wird die aktuelle Situation bewertet. Deshalb sollte ein Antrag nur gestellt werden, wenn tatsächlich ein höherer Unterstützungsbedarf besteht.
Wie lange dauert die Bearbeitung?
Nach Eingang des Antrags sollte die Pflegekasse grundsätzlich innerhalb von 25 Arbeitstagen über die Höherstufung entscheiden.
Die tatsächliche Dauer hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise:
- Verfügbarkeit von Begutachtungsterminen
- Vollständigkeit der Unterlagen
- individuelle Besonderheiten des Falls
In vielen Fällen erfolgt die Entscheidung nach der Begutachtung innerhalb weniger Wochen.
Kann ich die Höherstufung online beantragen?
Ja. Die notwendigen Angaben können heute bequem digital erfasst und sicher übermittelt werden.
Fazit
Wenn sich die Pflegesituation verändert hat, sollte eine Höherstufung frühzeitig geprüft werden. Viele Pflegebedürftige erhalten nicht die Leistungen, die ihrer tatsächlichen Situation entsprechen.
Ein höherer Pflegegrad kann zu zusätzlichen Leistungen und mehr Unterstützung im Pflegealltag führen.
Mit einem digitalen Höherstufungsantrag lässt sich der erste Schritt schnell und unkompliziert erledigen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Gesetzliche Regelungen und Leistungen der Pflegeversicherung können sich ändern. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen gesetzlichen Bestimmungen sowie die Entscheidungen der zuständigen Pflegekassen.
